Leichtstahlwagen in Lenzburg Stadt, abgestellt, vergessen, überwuchert.
Veränderungen prägen unsere Sinne.
Jahrzehntelanges Vertrautes entschwindet für immer, wird ersetzt, umgestaltet oder im besten Falle der Nachwelt, restauriert erhalten.
Die Bahnhöfe und Infrastruktur der nun über 125 Jahre Geschichte schreibenden Seetalbahn, haben dies in all den Jahren am eigenen "Leib" erfahren.
Das Karussel des Werden und Vergehns hat sich gerade in den letzten Jahren auch bei der Seetalbahn, markant niedergeschlagen.
Ich habe mich der Vision hingegeben die Veränderungen bildlich zu dokumentieren. Jahrzehntelanges forschen, sei es in Staatlichen Archiven oder bei Privatpersonen haben so manches Zeitdokument ans Tageslicht gebracht.
Der Vergleich ist spannend und prutal zugleich, leisen Wehmut mag einem da und dort beschleichen.
Herzlich Danken möchte ich diesen zahlreichen Personen, Geschichten von früher zu erfahren war und ist ebenso spannend wie das nicht Selbstverständliche, zur Einsicht frei gebende Bildmaterial.
Nur wer die Vergangenheit kennt, ist offen für die Zukunft!
In den 80 Jahren wurde es langsam Allen bewusst, die Bahn war in die Jahre gekommen, sie kämpfte ums überleben, war akut einstellungsbedroht.
Es musste was geschehen um die Bahn noch zu retten, eine Totalsanierung die den bisherigen Zustand buchstäblich wegfegen sollte, wurde an die Hand genommen.
Das Volk stand immer hinter ihrer Bahn, die Politiker nur teilweise, der Bund entschied zögerlich. Am Ende siegte die Vernunft, mit stark gekürtzem Buget und einem betrieblich völlig neuen Konzept.
Vom totalen Rückzug und Abbau bis zur Neutrassierung wurde die Bandbreite gesetzt.Kein Stein sollte mehr auf dem Anderen bleiben, hin bis zum kompletten Betrieb ohne Personal vor Ort, ferngesteuert.
Neue Züge, Signale, Trassee, Haltestellen, Linienführungen, Umstellung auf Schmalspur aber auch Erhalt von historischen Elementen wie Bahnhöfe, Remise, Perrondächer.
Spannende, wehmütige, frohe, zweckdienliche, erfreuliche Emotionen begleiteten mich über all die Jahre.
Die Gefühle eines Eisenbahnfans durchlebten alle Stadien, dies oder jenes konnte gerettet werden, an anderer Stelle konnte man nur zusehen wie es für immer im Staub entschwand.
Eine intressante Epoche findet ihren Abschluss, soviel Umbruch findet nicht alle Tage statt.
Danken möchte ich an dieser Stelle den entsprechenden Stellen von SBB und diversen Baufirmen, so manches Erinnerungsstück durfte in meine Sammlung gehn, dies ist und war nicht selbstverständlich, tröstete über unabwendbare Tatsachen hinweg.
Nachfolgende Zusammenstellung soll einen Ueberblick verschaffen wie sich das Bild gewandelt hat. Fotografisch sei auf die diversen Kapitel unter Streckenabschnitte verwiesen.
. Lenzburg Stadt: wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte.
Beginnen wir bei Kilometer O :
Emmenbrücke:
verlor seine Spitzkehre, die Linienführung nach Waldibrücke via Emmen wurde durch eine Neutrassierung und Einführung in die Hauptstrecke Olten - Sursee - Luzern beschleunigt.Das umständliche Umsetzen und Führerstandwechseln entfällt.
Mit der neuen Haltestelle Gersag erschliesst der Seetaler zudem eine neues Siedlungsgebiet.
Der Bahnhof wurde umgebaut, mit Zwischenperrons versehen, die Schalter sind noch bedient.
In der ehemaligen Abstellanlage der STB findet sich noch als letztes Relikt an die Privatbahn, ein alter genieteter Mast.
Emmen:
Die Bahninfrastruktur wurde abgebaut und die Gemeinde wird per Bus erschlossen.
Letzte Gleis-Reste der alten Linienführung finden sich auf dem Areal der Firma Ruag.
Ein neues Anschlussgleis führt via Waldibrücke hierher und erschliesst auch eine Firma die u.a Eisenbahnfahrzeuge verschrottet.
Waldibrücke:
Via Hüslentunnel wird die zuerst 1 gleisige später zum kreuzen auf 2 Gleise erweiterte Haltestelle erreicht.
Das Restaurant indem sich früher Wartsaal und Schalter befand steht noch.
Die Ausfahrt Richtung Eschenbach wurde neu erstellt die mechanischen Signale ersetzt.
Kurz vor der Haltestelle zweigt das erwähnte neu trassierte Anschlussgleis Richtung Emmen ab.
Eschenbach:
das ursprüngliche Empfangsgebäude steht noch, RV 05 Elemente und ein Automat haben es jedoch abgelöst und wurden südlich davon mit neuem Haltepunkt, neu erstellt.
Sämtliche Stumpengleise wurden entfernt, 2 Gleise ermöglichen Kreuzungen.
Stellwerk mechanisch privat erhalten
Ballwil:
das ursprüngliche AG samt Rampe wurde abgerissen und durch RV 05 Bauten ersetzt.
Die Stumpengleise wurden entfernt die Station zur Haltestelle degradiert.
Hochdorf:
erhielt mit Schönau eine neue zusätzliche Haltestelle.
Das ursprüngliche Aufnahmegebäude wurde schön restauriert. Die Schalter sind bedient.
Der Güterschuppen wurde abgerissen und das Gleisfeld leicht verkleinert.
Die STB Remise von 1910 wurde neu restauriet und dient historischen Fahrzeugen als Unterkunft.
Die Industrie ist weiterhin ans Netz angeschlossen.
Baldegg:
das AG von 1906 wurde prächtig restauriert
der Güterschuppen wurde abgerissen
die Infrastruktur blieb unverändert, 2 STB Masten sind zudem angeschlossen und in Betrieb.
Baldegg Kloster ist zur fixen Haltestelle befördert und mit RV 05 Elementen versehen worden
RV 05 Elemente ersetzen den teils öffentlich zu mieteten Bahnhof
. Auch restaurierte Bahnhöfe fügen sich zeitlos in die neue Seetalbahn ein.
Gelfingen:
Aufstellen von RV 05 Elementen
Hitzkirch:
Bahnhof abgebrochen
Volg Anschlussgleis liegt noch jedoch vom Netz abgetrennt
RV 05 Elemente ersetzen AG
Kreuzungen möglich, nördliches Abstellgleis blieb erhalten
Ermensee:
Wartehäusschen aus der Gründerzeit blieb erhalten, umfunktioniert in Schaltzentrale
RV 05 Elemente ersetzen dies
. Umnutzungen bestehender Infrastruktur - Symbiose von Nostalgie und Computerzeitaler
.
Mosen:
Bahnhof abgebrochen
Rückbau sämtlicher Infrastruktur bis auf Durchfahrgleis
Degradierung zur Haltestelle mit RV 05 Elementen
Beinwil am See:
Bahnhof und Nebengebäude blieben erhalten
Schuppen abgebrochen
Spitzkehre, Teile der Abstellanlage und 3.Gleis rückgebaut
Zugsbetrieb Richtung Beromünster auf Bus umgestellt
Veloweg auf Teilen des ehemaligen Trassee
Lokführerdepot Standort blieb erhalten
Umbau Bahnhofsrestaurant in Avec Laden, Schalter nicht mehr bedient
Stellwerk elektrisch privat erhalten
Reinach Unterdorf:
sämtliche Infrastruktur rückgebaut
Brücke über Kantonsstrasse entfernt
Damm eingeebnet und Einschnitt aufgefüllt
Veloweg auf Teilen des ehemaligen Trassee
Reinach:
Abbruch Bahnhof und Schuppen
Rückbau sämtlicher Infrastruktur
Neubau Infrastruktur und AG auf ehemaligem Trassee durch WSB in Meterspur
Menziken:
Abbruch Bahnhof und Schuppen
Rückbau sämtlicher Infrastruktur
Neubau Infrastruktur, AG und Remise auf ehemaligem Trassee durch WSB
letzte Normalspurgleisreste in privatem Betriebsareal
Veloweg auf Teilen des ehemaligen Trassee
Brücke Maiacker blieb erhalten
Beromünster:
Bahnhof ohne Perrondach erhalten
Abbruch von Schuppen. Remise und sämtlicher Infrastruktur
Neubau Bustermial auf Bahnareal
Veloweg auf bisherigem Trassee
Stellwerk mechanisch erhalten
Einschnitt Einfahrt aufgefüllt
Birrwil:
Bahnhof unter Schutz gestellt (letzte Güterdienststation der CH)
WC Anlage und Rampe abgebrochen
Abstellgeis rückgebaut
RV 05 Elemente beigefügt
Kreuzungen möglich
Boniswil:
Bahnhof abgebrochen
sämtliche Infrastruktur rückgebaut
Neutrassierung und Neubau RV 05 an neuem Standort
Degradierung zur Haltestelle
1 STB Mast privat erhalten
Neues entsteht und schafft Anreize für die Zukunft
. Nicht nur Abschied auch viel Neues entstand, freie Fahrt über Neubaustrecken.
Hallwil:
Bahnhof abgebrochen
Rückbau Infrastruktur bis auf Durchfahrgleis
Degradierung zur Haltestelle mit RV 05 an neuem Standort
Teile der Abstellgeleise ohne Anschluss erhalten
Seon:
Abbruch Bahnhof und Schuppen
Rückbau Gleis 3 und 4
Neubau RV 05
Kreuzungen möglich
. Zeitweise fühlte man sich wie im Krieg, die Gebäude flogen nur so dahin.
Lenzburg:
Abbruch separater Seetalteil
Neubau Haltestelle an neuem Standort
Neubau Anbindungsgleis an Hauptstrecke
Stellwerk Seetal privat erhalten
Lenzburg Stadt:
Abbruch Bahnhof und Schuppen
Rückbau sämtlicher Infrastruktur
Gleisreste in der Industrie erhalten
Stellwerk STB 1895 privat erhalten
Tunnel erhalten
2 Semaphor privat erhalten
3-Weg Weiche 1895 im SBB Schienenmuseum Härkingen erhalten
Gleisreste Gleis 3 plus Weichenstellhebel erhalten
Ausfahrt Wildegg aufgefüllt
1 Signal elektrisch privat erhalten
Veloweg auf ehemaligem Trassee (geplant)
. Unzählige Geschichten und Anekdoten begleiteten mich über all die Jahre.
Diejenige als ein Schrotthändler das überwucherte Gleis nach Niederlenz ausholzte und mit einem Traktor 2004 nochmals verbotener Weise die Strecke befuhr war von der gröberen Art. Am Schluss blieb nur die Flucht via Strasse.
Damit sind wir am Schluss dieser Bautechnischen Zusammenfassung angelangt.
Natürlich wurde auch viel in die übrige Infrastruktur investiert, sei es in Sicherungsanlagen, Gleisbau oder Fahrleitung und nicht zuletzt in neues Rollmaterial.
Ab 21.11.2011 ist die ganze Strecke von Luzern aus ferngesteuert, vorerst, in naher Zukunft wechselt die Leitzentrale dann nach Olten.
Die Strecke ist sicherer wenn auch nicht 100% unfallfrei geworden.
Das finanziell Machbare wurde umgesetzt und am Schluss zählt die Vision , dass die Bahn überhaupt noch fährt.
Die Zeit läuft weiter mit oder ohne Personal an jedem Bahnhof, ohne eigentliche Empfangsgebäude, von PC Programmen automatisiert durchrationalisiert.
Eine Tatsache die Heute unabwendbar scheint, direkte Kommunikation tritt in den Hintergrund, Natel übernehmen diese Aufgabe, auch auf dem Führerstand.
Die Zeit eilt immer schneller, verändert sich stetig wer stehen bleibt wird überholt und fällt in die Versenkung.
Die Seetalbahn musste diesen Schritt gehen, sie ging in auch schon Früher z.B mit der Elektrifikation.Heute wo die Bevölkerung rasant wächst, die Strassen zunehmend im Stau versinken bietet sich ihr eine grosses Entwicklungspotenzial.
Ich hatte die Chance beide Zeiten zu erleben, es war äusserst spannend die Wandlung mitzubegleiten gerade diese Homepage lebt davon, jeden Tag von Neuem.
Ab 1885 bis 1892 baute man aus der Güterwagenserie L 301-09, 4 Wagen zu offenen Sommerwagen um. Sie erhielten die Nummern CL 22 - 25. In den Sommermonaten verkehrten sie zu den oben aufgeführten Preisen und brachten die Reisenden zu den aufgelisteten "besuchteste Ausflugspunkte".
Das Original-Plakat wurde in Amerika aufgestöbert und kehrte nach über 100 Jahren wieder in seine Heimat zurück.
Sammlung: Daniel Ammann
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Weichenverschluss Patent Vögele 1895 in Lenzburg Stadt
Frachtbrief, Abgangsort Reinach-Menziken anno 1894
Sammlung: Daniel Ammann
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Begegnung, Schutz, Funktion und Zuhause verkörpern einen Bahnhof:
Alles ist nicht Ewig und muss Neuem weichen, hier geht der ehemalige Bahnhof Seon zu Boden.
Foto: Daniel Ammann
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Wo Einst Buffet und Salonwagen den Duft der weiten Welt verbreiteten, wachsen Heute Gras und Bäume darüber.
Ausgedient, vergessen und sich selbst überlassen, die Natur holt sich s zurück .
Foto: Daniel Ammann
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Ausgedient und ausrangiert muss nicht immer Endstation bedeuten.
Das Vögele-Stellwerk vom ehemaligen Bahnhof Lenzburg Stadt gilt mit Jahrgang 1895 als eines der ältesten der Schweiz.
Stummer Zeitzeuge, Fossil aus einer anderen Epoche,manche Geschichten könnte es wohl erzählen. Hinüber gerettet als Andenken und Kulturgut.
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Warten, Fluchen, Sicherheit verkörpert eine Barriere.
Auch diese Kurbel errinnert an vergangene Zeiten, wo Muskelkraft noch vor Mausklick und elektronischer Ansteuerung stand.
Das bimmeln ist verstummt, nicht ganz, heute schlägt diese Kurbel an anderer Stelle den Barrierentakt mit Glockenschlag.
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Originalziegel von der 1. Güterdienststation Seon 1883
Als Hersteller und Eigentümer noch eingegossen wurden.
Taschenuhrdeckel für treue Verdienste.
Sammlung: Daniel Ammann
Weichenstellhebel im Dschungel
Nägel, Schienenschrauben und Rippenplatten aus Niederlenz
Emailschild der Fahrleitung von 1930 vom Bahnhof Menziken SBB
Fahrausweis der 3. Klasse anno 1929 von Niederhallwil-Dürrenäsch